Winlactat Individuelle Schwellenwertmodelle

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Begriffsdefinition

Im Gegensatz zu den Fixen Schwellen beruhen die Individuellen Schwellen nicht auf festen Markierung- oder Referenzpunkten einer Messreihe sondern markieren vom Trainingszustand der Testperson abhängige individuelle Übergangspunkte. Individuelle und Fixe Schwellen werden stets bezogen auf eine Leistung angegeben.

Bekannte Individuelle Schwellen

Die Individuelle Aerobe Laktatschwelle ist das Minimale Laktatäquivalent, also die Leistung bei der der Quotient von Laktat zu V'O2( auf Grund der Linearität des Zusammenhangs ersatzweise auch zur Leistung) ein Minimum erreicht. Es ist somit der Leistungspunkt, an der die Laktatkonzentration im Blut in Bezug zur aktuellen Leistung erstmalig ansteigt. In diesem Bereich wird die Energie maßgeblich aus der Lipolyse (Fettverbrennung) bereitgestellt.

Die Individuelle Anaerobe Schwelle ist der Punkt des Übergangs von aerob-anaeroben zum vermehrt anaeroben Stoffwechsel. Im Bereich der Individuellen Anaeroben Schwelle halten sich Laktatbildung und Elimination in Waage, es liegt somit ein maximaler stabiler Laktatzustand vor (Max. Lactate Steady State). Bei Belastungen oberhalb der IANS kann das anfallende Pyruvat nicht mehr abgepuffert werden und die Laktatkonzentration steigt mit zunehmender Zeit in der Belastung weiter an (zeitabhängige Akkumulation). Die Energie wird dann maßgeblich aus der Glykolyse gewonnen. Der Kohlenhydratspeicher wird nach etwa 2 h Belastung an der IANS zur Neige gehen.

  • Ventilatorische Aerobe Schwelle: Wird desöfteren mit AT (ursprünglich Anaerobic Treshold, heute Aerobic Threshold) abgekürzt (Andere Bezeichnung: VT1)

Die ventilatorische Aerobe Schwelle wird mit Hilfe der Spiroergometrie bestimmt.

Die ventilatorische Anaerobe Schwelle wird mit Hilfe der Spiroergometrie bestimmt.

Kritik

Natürlich sind Schwellen nicht streng genommen als scharfe Umschlagpunkte zu betrachten, sondern markieren "Übergangspunkte" zwischen verschiedenen Phasen der Energiebereitstellung.

Die Kritik an der Verwendung von Schwellen ist zudem teilweise unberechtigt. Es ist richtig, dass es steng genommen nur eine Individuelle Anaerobe Schwelle geben kann (nämlich die im Ausdauertest bestimmte Schwelle am maximalen Lactate Steady State, MAXLASS), aber die mit dem (verkürzten) Stufentest verlorengegangene Information über den Zeiteinfluss auf die Laktatentwicklung wurde durch unzählige wissenschaftliche Untersuchungen unter verschiedenen Voraussetzungen versucht, wieder auszugleichen. Dabei wurden verschiedene Algorithmen vorgestellt, die unter den zum Zeitpunkt der Messung vorherrschenden Bedingungen (Probanden- und Meßmaterial sowie Belastungsprofilen und Sportarten im Ausdauertest als gültig gegengeprüft wurden.

Es ist also kaum verwunderlich, dass man bei Anwendung dieser Algorithmen auf einen einzigen Test zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt. Entscheidend ist also die Kenntnis über die herzustellenden "Umgebungsbedingungen" (vor allem das Belastungsprotokoll), die zum Zeitpunkt der Bestimmung eines Algorithmus vorherrschten.

In eigener Sache:

"Laktatschwellen sind ein Versuch, die (gegenüber dem MAxLaSS-Test) durch den ökonomisch sinnvolleren Stufentest verloren gegangene Zeitinformation der Laktatentwicklung mathematisch zu kompensieren. Sie wurden unter verschiedenen Voraussetzungen validiert (Belastungsprotokoll, Sportarten, Probanden usw.) und sind damit nicht miteinander zu vergleichen! Die Tatsache, dass es mehrere Modelle gibt, sagt nichts über die Schwäche der Laktatmessung an sich aus, sondern über die Vielfalt der zu beachtenden Randparameter. Es gibt allerdings Leute, die ernsthaft behaupten, die Laktatdiagnostik wäre per se sinnlos, weil alle Schwellen unterschiedliche Ergebnisse ausweisen würden. Oder noch schlimmer: Weil alle Schwellen ein anderes Ergebnis zeigen würden, könne keine der Schwellen korrekt sein. Aber es würde auch niemand ernsthaft behaupten, dass Schraubendreher an sich schon sinnlos seien, nur weil es mehrere Varianten der Ausführung(Kreuz, Schlitz, Torx, für jede Problemstellung) gibt! Es ist an der Zeit mit diesem Argument aufzuräumen!"

Joachim Schonart-Magera

Im folgenden sind diese Algorithmen (sog. Individuelle Schwellenwertmodelle) vorgestellt, die in der winlactat verwendet werden.

In winlactat zur Verfügung stehende Laktatschwellenwertmodelle

Eine Definition der bekannten Laktatschwellenwertmodelle finden Sie hier bei Wikipedia.

Modell Erläuterung beeinflussende Parameter Voraussetzung zur Anwendung
MADER Modell (V4) Schwelle bei fixen 4 mmol/l Laktat Fittingfunktion Laufband: Stufendauer 5 min, Anstieg 0,4 m/s, Rad: 5 min , 30 Watt Anstieg (1)
Dickhuth Modell (+1,5 mmol/l Modell) Berechnung gemäß Basislaktat (3) + parametriesierbare Laktatkonstante Fittingfunktion, Laktatkonstante 1,5 mmol/l (s.u.) Laufband: Steigung 2%, Stufendauer 3 min, Inkrement 2 km/h. Rad: Stufendauer 3 min, Inkrement 30 Watt (2)
Freiburger Modell Berechnung gemäß erster Lakttatanstieg + parametriesierbare Laktatkonstante Fittingfunktion, Laktatkonstante
Simon Schwelle (Winkelmodell für Lauftests) Berechnung gemäß Tangente an Laktatkurve (LLK) Fittingfunktion, Winkel 45 Grad in der LLK (Laktat gegen km/h) Laufband: Steigung 8%, Stufendauer 3 min, Inkrement 2 km/h
Simon Schwelle (Winkelmodell für

Radergometertests)

Berechnung gemäß Tangente an Laktatkurve (LLK) Fittingfunktion, Winkel etwa 1.6 Grad in der LLK (Laktat gegen Watt) nicht evaluiert, der Winkel beruht auf der Annahme, dass 28 Watt etwa 1 km/h beim Läufer entspricht
Stegmann/Kindermann Modell (auch IAS genannt) Berechnung durch Tangentenrückführung aus der Erholungskurve Fittingfunktion, Nachbelastung Laufband: Steigung 5-8%, Stufendauer 3 min, Inkrement 2 km/h
Senkentest Modell (Griess/Tegtbur) Berechnung gemäß Minimalaktat in einem Senkentest keine, teilweise als doppelter Stufentest ausgeführt
Geiger-Hille Modell Berechnung gemäß maximaler Laktatkurvenkrümmung Fittingfunktion
DMax Modell (Cheng et. al) Berechnung gemäß maximalem Abstand von Sekante (von erstem bis letztem Laktatwert) und Laktatkurve Fittingfunktion
DMaxMod Modell (Bishop et. al) Berechnung gemäß maximalem Abstand von Sekante (von Basislaktat bis letztem Laktatwert) und Laktatkurve Fittingfunktion
Freies Fixes Modell Berechnung gemäß parametriesierbarer Laktatkonstante Fittingfunktion, Laktatkonstante
Conconi Modell Berechnung gemäß Deflektionspunkt in der Herzfrequenzkurve Fittingfunktion ausreichende Anzahl von Stufen (min. 10)
Aerobes Modell (3) Berechnung gemäß minimalem Laktatäquivalent (3) Fittingfunktion

(1) Korrektur bei anderen Profilen:

  1. Laufen: bei 3 min Stufentest ist 3,5 mmol/l einzustellen
  2. Rad: bei 3 min (50 Watt Inkr.) ist 3,0 mmol/ einzustellen
  3. Rad: bei 5 min (50 Watt Inkr.) ist 4,3 mmol/l einzustellen

(2) Korrektur bei anderen Profilen:

  1. Rad: 30 Watt Inkr. (5 min): Laktatkonstante 2,5 mmol/l
  2. Rad: 40 Watt Inkr. (5 min): Laktatkonstante 2,3 mmol/l
  3. Rad: 50 Watt Inkr. (5 min): Laktatkonstante 2,2 mmol/l
  4. Rad: 40 Watt Inkr. (3 min): Laktatkonstante 2,1 mmol/l
  5. Rad: 50 Watt Inkr. (3 min): Laktatkonstante 2,0 mmol/l

Literaturhinweise folgen!

(3) Das Basislaktat wird auch als minimales Laktatäquivalent (Laktat/Leistung->min) bezeichnet und entspricht der aeroben Laktatschwelle

In winlactat zur Verfügung stehende ventilatorische Schwellen

Winlactat kann AT (Aerobic Threshold) und RCP (Respiratorischer Kompensationspunkt) darstellen. Diese werden aus den Importdateien gelesen und können in der winlactat angepasst werden.